Die Rezeptur ist ziemlich einfach. Man nimmt dünnes Blech, kombiniert das mit einfacher Technik und einem möblierten Innenraum. Citroën hat den 2CV nach dieser Idee verwirklicht, Renault kontert mit dem R 4. Der Renault 4 ist reduziert auf das, was wesentlich für die Fortbewegung ist.
Die brillante Idee kommt an. Der Renault 4 ist das Auto für jeden, der etwas zu transportieren hat. Familien lieben es ebenso wie Handwerker, Spediteure, Landwirte und Studenten. Seit 1961 hat er einen erheblichen Anteil daran, Frankreich mobil zu machen. Die Welle bezahlbarer Mobilität schwappt über den Rhein, und auch die Deutschen finden den R 4 gut.

Der Renault 4 – einfach, genial und das Auto für jedermann!
Der Renault wird zwar nie diesen intellektuellen, linken künstlerischen Touch haben, welcher stets den 2CV umgibt. Dazu ist er wirklich zu sachlich und im Vergleich zum Citroën weniger schrullig und solider. Aber es gibt einige Gemeinsamkeiten. Die Federwege von Renault und Citroën sind jeweils beachtlich lang, was in Verbindung mit dem Frontantrieb eine komfortable, gute Straßenlage mit sich bringt.
Natürlich ist der Renault weniger schaukelnd als die Ente unterwegs, aber heutige, straff und humorlos sportliche gefederte Fahrzeuge könnten vom Komfort dieser rudimentären Gefährte lernen. Dann gibt es die Revolverschaltung, erst mit 3, später dann mit 4 Gangstufen. Die sitzt im Armaturenbrett und funktioniert reibungsloser, als man es erwartet.
Nach einer kurzen Eingewöhnung zieht man den Abzug gekonnt durch die Gänge, das Ganze hat einen Coolness-Faktor, eine Form von Kommunikation zwischen Mensch und arg rudimentär geratener Technik. Hier läuft alles sehr direkt, mechanisch, kein Stellmotor wird elektrisch in Position gefahren.
Alles erledigt der Mensch.
Entsprechend laut und archaisch gerät das Fahren im Renault 4. Es ist unnötig zu erwähnen, dass der Hersteller mit allem, wirklich allem, sehr sparsam umgeht, um die Kosten im Blick zu behalten. Dämmmaterialien sucht man mit der Lupe, Rostvorsorge wird ebenfalls kaum gewichtet. Und auch die Sitze sind rudimentär, aus heutiger Sicht unsicher, aber damals ist man zufrieden mit dem, was man vorgesetzt bekommt. Hauptsache, man bleibt mobil.

Der Renault 4 ist Kult – verbraucht wird er dennoch
Was passiert im Gegenzug mit dem Renault 4? Er wird gefahren, genutzt, aber in den seltensten Fällen gepflegt. Die Karosse verschleißt ebenso schnell wie die Technik. Da der Renault günstig zu kaufen ist, lohnt sich der Werterhalt praktisch nie. In der Geschwindigkeit, wie das Werk den R 4 in die Welt entlässt, wird er auch verbraucht.
Unglaublich 7,5 Millionen bringt die französische Marke auf die Strasse. Wer sich fragt, wo sie abgeblieben sind, der liest hier die Antwort. Denn jenseits aller Kultfaktoren kümmert sich kaum jemand um die Veteranen der Baureihe. Renault hat den Wert dieses Mythos mittlerweile erkannt. Ein neuer Renault 4 kündigt sich an. Er fährt elektrisch und wird kaum so herrlich rudimentär sein wie das Original aus dem Jahr 1961.
Entdecke mehr von carstories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Heute habe ich den elektrischen Nachfolger gesehen. Vom alten Stil und Charme ist nichts mehr übrig geblieben.