Nissan ist Mitte der 80er Jahre ziemlich erfolgreich unterwegs und hat etwas für jeden Geschmack im Angebot. Der Nissan Prairie ist ein Van für die Familie, und in der Sportabteilung stehen 200SX und 300ZX nebeneinander. Der 300ZX ist die Sportwagen Legende, der Nachfolger von 280 und 260ZX.
Der Nissan 200SX hingegen ist das Sportcoupé, welches man sich mit einem normalen Einkommen noch leisten kann, ohne beim Kreditberater vorsprechen zu müssen. In Deutschland trägt es, wie in einigen anderen Ländern auch, den Namen Silvia. Also parken Silvia und 300ZX im Ausstellungsraum, und der Namen ist mehr oder weniger befremdlich. Warum, Silvia?
Warum nicht Nissan 200SX, wie auf anderen Märkten?

Der Nissan 200SX ist sportlich, aber warum nennt man ihn Silvia?
Die Sache ist mehr oder minder komisch, so richtig mag sich niemand mit der Modellbezeichnung anfreunden, und Nissan hat tatsächlich mit der nächsten Generation der Silvia ein Einsehen und verkauft sie auch in Deutschland als 200SX. Prompt wird sie zum Erfolg, denn der Ruhm des 300ZX strahlt auf sie ab.
1985 müssen sich die Kunden aber mit Silvia anfreunden. Das Sportcoupé gibt es weltweit in verschiedenen Motorisierungen, zeitweise mit einem Turbo oder als 3-Liter-V6 und bis zu 190 PS. Primär wird aber 145-PS-Version verkauft. Die ist technisch komplett auf der Höhe der Zeit und bietet einen 16-Ventil-Motor mit 2 Litern Hubraum, 2 obenliegenden Nockenwellen, Schubabschaltung und 145 PS.
Die Werte sind ziemlich gut, der Nissan 200SX ist 205 km/h schnell und damit im Club 200 angekommen und im Lager von beliebten Kompaktsportlern wie dem Golf GTI 16V akzeptiert (Link).
Der Antrieb ist konventionell, wie auch die komplette Konzeption ohne Überraschungen bleibt. Der Motor ist längs eingebaut, die Kraft wird über die Hinterräder abgegeben. Die Ausstattung ist wie von Nissan gewohnt umfangreich. Der Innenraum ist Plüsch und Kunststofflastig, auf den westlichen Geschmack wird sich der Hersteller erst mit dem Nachfolger komplett einschießen.
Die kantige Karosserie kommt nicht ganz an das Flair des großen 300ZX heran, aber zwischen beiden Fahrzeugen liegen nicht nur aufgrund der Leistung Welten. Der Nissan Silvia oder 200SX kosten rund 29.000 DM, der 300ZX ist 55.000 DM teuer.

Wer kauft den Nissan Silvia?
Ist es eigentlich der oder die Silvia? Und wer kauft sich die Silvia, das Sportcoupé mit dem leicht merkwürdigen Namen? In Deutschland wird es kein großer Erfolg – es ist wie der Prairie Van ein Nischenangebot im Portfolio von Nissan. Der Konzern kann es sich locker leisten, er gehört mit rund 1,9 Millionen Pkw im Jahr zu den großen Anbietern auf dem Markt.
So sind die meisten Nissan Silvia als Vorführwagen oder im Eigenbedarf der Händler zu finden. Vielleicht ist die Karosserie zu sehr auf den US-Geschmack abgestimmt, wie auch das Fahrwerk nicht mit den europäischen Mitbewerbern mithalten kann. Vielleicht ist es auch der Name, der wenig imageträchtig scheint. Ich fahre eine Silvia, wie klingt das?
Auf jeden Fall steckt (noch) zu viel Exotik im Produkt, aber Nissan lernt unaufhaltsam.
Ab 1989 kommt die dann 5. Generation des Mittelklasse-Sportlers zu den Händlern. Das Design ist gefälliger, es weckt nicht ungewollt Assoziationen an die Porsche 944 Serie, kostet aber viel weniger. In Deutschland verschwindet der seltsame Silvia-Name, und der 200SX wird offiziell eingeführt.
Die Verkäufe boomen und der Nachfolger wird zu einem für Nissan in dieser Klasse einmaligen Erfolg in Deutschland. Dann ist die Nissan Silvia oder 200SX Geschichte und ihr Ruhm erst mal am Ende. Für Deutschland, nicht aber für den Rest der Welt.
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