Volkswagen tut sich schon immer schwer, emotionale Autos zu bauen. Die Produkte vom Mittellandkanal sind sachlich und solide, aber selten emotional. Das ändert sich vielleicht 1986, als der Golf GTI 16V an den Start rollt. Volkswagen steht unter Zugzwang, die Fans sind unzufrieden.
Der reguläre Golf GTI leistet nur 107 PS, Ford, Opel und Lancia sind leistungsmäßig vorbeigezogen und der Serie 2 Golf ist schwerer und langsamer als sein Vorgänger. Das nagt an den Seelen der Fans. Dass der Neue gleichzeitig wertiger, moderner und einfach das bessere Auto ist, interessiert die wenigsten.
Volkswagen registriert das und leistet sich eine Verzweiflungstat. Der Hersteller manipuliert die Testwagen für die Presse. Der Golf I GTI wird in der Leistung reduziert, damit bei einer Vergleichsfahrt der GTI II nicht ganz so schlecht aussieht. Das wird erst Jahrzehnte später bekannt, gemerkt hat es damals wohl keiner der Beteiligten.

Der Golf GTI 16V ist nicht emotional, dafür aber richtig gut!
1986 hat das Leiden der Fans ein Ende. Mit 139 PS ist der Golf GTI 16V endlich der Chef im Ring. Die Verhältnisse sind wieder so, wie sie sein sollen. Ein Jahr später verirrt sich ein GTI 16V mit Kat in unseren Firmenfuhrpark. Der Katalysator reduziert die Leistung auf 129 PS, dennoch ist der Golf schnell.
Ich fahre ihn immer wieder auf der Langstrecke, der Golf ist so, wie ein Golf II damals eben ist. Sachlich bis ins Detail, man sucht Besonderheiten jeglicher Art, wie man sie bei einem Lancia findet, vergebens. Er ist ein Auto, wie es ein Beamter konstruieren würde. Humorlos, grundsolide und obwohl ich stets mehr zu ausländischen Fahrzeugen mit divenhaftem Charakter tendiere, mag ich den Golf.
Emotional ist er allerdings sicher nicht.

Nicht emotional – aber richtig gut
Er beschleunigt nachdrücklich, aber ohne jedes Drama, er ist komfortabel mit seiner Solidität, und er macht überall eine gute Figur. Golf GTI 16V fahren ist zu dieser Zeit etwas Souveränes. Man gehört zum Klub 200, die Eintrittskarte ist das Logo am Kühlergrill mit dem roten Zusatz, und auf der Autobahn ist man immer vorn dabei. Viel größere, teurere Fahrzeuge kann der Golf bei der Beschleunigung schon mal stehen lassen, es sind einfach andere Zeiten.
Die optionalen Recaro Sitze sind fantastisch, das Getriebe, das im Rückblick vielleicht doch nicht so exakt zu schalten war, ist sportlich und das Fahrwerk entspricht der Leistung. Ich wurde dennoch kein Golf GTI Fan, da nutzte auch das 16V-Emblem wenig. Er blieb positiv in meiner Erinnerung, es fehlte jedoch die Emotion. Aber richtig gut war er dennoch.
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