Quattro und Turbo sind die Zauberworte von Audi in den 80er Jahren. Beides steht für den Aufstieg, der mit dem Audi 200 Quattro nachhaltig beginnt. Der 200 ist die feinere Version des Audi 100 (C3), mit subtilen Änderungen an Front und Heck und einer wertigeren Ausstattung des Innenraums.
In der Oberklasse wird er nie komplett akzeptiert, er trägt das Image des Aufsteigers, und vielen gilt er nur als überteuerter Audi 100. Das ist richtig und gleichzeitig falsch, denn Audi liefert hier viel Technik und Innovation. Den Ruf eines Ingenieur-Wagens trägt die Modellreihe nicht ohne Grund, man darf sich fragen, ob der Weg nach oben ohne die Quattro Philosophie erfolgreich gewesen wäre. Vermutlich nicht, denn hier findet die Marke aus Ingolstadt zeitweise ihr Alleinstellungsmerkmal.
Turbomotoren können viele. Aber Turbo und Allrad, das ist einzigartig.

Mit dem Audi 200 Quattro beginnt der Aufstieg in die Oberklasse
Audi inszeniert sich geschickt. In Werbespots fährt 1986 ein Audi 100 Quattro eine Skisprungschanze hoch, Audi schreibt Werbegeschichte, das Video wird zur Legende (Link) und das Image der Marke beginnt zu strahlen. Es ist jedoch nicht so, dass Audi unter der Regie von Ferdinand Piëch allein mit dieser Idee gewesen wäre.
Automarken, die auf Frontantrieb setzen, haben zu dieser Zeit ein identisches Problem. Mit zunehmender PS-Leistung gerät das Frontantriebskonzept an seine Grenzen. Wer in die Oberklasse möchte, der muss sich etwas Überzeugendes einfallen lassen. Denn Hinterradantrieb geht nicht, das haben bereits BMW, Jaguar und Mercedes. Also Allrad und damit der griffige Quattro Namen.
Die Allrad-Idee setzt sich überraschend schnell durch. Der Quattro Begriff etabliert sich in den Köpfen und wird mit Audi zu einer Einheit verbunden. Die Hartnäckigkeit, mit der Piëch die Marke nach vorn treibt, zahlt sich aus. Woanders verfügt man über weniger hartnäckige Mitarbeiter, bei Saab in Schweden zum Beispiel. Dort arbeitet man zeitgleich am Allradkonzept, der 9000 soll als Anti-Quattro auf den Markt kommen (Link).
Das Projekt wird nicht vollendet und bleibt in der Melange schwedischer Befindlichkeiten stecken. Audi behält zeitweise sein Alleinstellungsmerkmal.

Der Audi Fünfzylinder klingt grandios
Saab hätte Audi ziemlich gefährlich werden können. Die Turbomotoren, mit denen die Ingolstädter ihre leistungsstärksten Modelle bestücken, kommen (noch) nicht an die Turbo-Technik der Schweden ran. Zwar hat der Audi Fünfzylinder einen ikonischen Klang, ein V8 kann vom Klangbild her nichts besser.
Aber Saab ist Turbo-Pionier, im 9000 arbeitet mittlerweile die 3. Generation aufgeladener Triebwerke. Das führt zu Unterschieden. Während der aufgeladene Fünfzylinder noch im Turboloch an der Ampel verharrt, ist der 9000 Turbo (Link) bereits unterwegs. Unangenehmer noch macht der Motor im Audi durch wenig kultivierte Eigenschaften auf sich aufmerksam. Wird er nach einer längeren Fahrt heiß abgestellt, entwickelt er ein Eigenleben. Der Oberklasse Audi 200 Quattro gibt dann Töne von sich, die an einen Straßengully erinnern.
Der Audi 200 Quattro will in die Oberklasse, hat aber ein Problem
Das ist unfein, ein thermisches Problem liefert den Hintergrund und schmälert die Akzeptanz. Dass der Audi 200 Quattro dennoch seinen Weg macht, liegt aber auch an anderen Dingen. Er ist für diese Jahre piekfein verarbeitet, nicht ganz auf dem Niveau der Marke mit dem Stern, aber spür- und fühlbar auf dem Weg dorthin. Die Karosserie ist steif, die Stromlinienform, die nicht ganz so effektiv wie im Audi 100 realisiert wird, bringt trotz Turbomotor erträgliche Verbrauchswerte.
Dazu kommt, der Audi 200 Quattro ist als Turbo damals einer der schnellsten im Land. Tempo 230 ist möglich und eine Beschleunigung in 8,1 Sekunden vom Stillstand auf Tempo 100. Nutzt man die Leistungsreserven aus, ist es allerdings auch mit dem guten Verbrauchswert vorbei. Die 10 Liter fossiler Energie, die Audi als Verbrauch auf 100 Kilometern angibt, sind Märchen, welche kaum ein Fahrer realisiert.
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