Als Audi im Jahr 1978 den neuen 80 (B2) vorstellte, traf er voll ins Schwarze. Er wurde der Traumwagen einer bürgerlichen Mittelschicht. Vor allem Männer mittleren Alters reagierten euphorisch auf den neuen mit den 4 Ringen. Er erhielt umgehend von der Presse das goldene Lenkrad, eine wichtige Trophäe im Zeitalter lange vor dem Internet, Facebook, TikTok und Instagram.
Dabei waren die Voraussetzungen für den Erfolg von Anfang an nicht die besten. Der ursprüngliche Designchef, welcher den Audi 80 entwarf, verließ vor der Fertigstellung des Projekts den Hersteller in Richtung BMW. Der nächste Designer wurde dann extern engagiert. Er überarbeitete den Entwurf grundlegend, der Vorstand legte ihm strenge Regeln auf, und eigentlich ahnt man bei einer solchen Gemengenlage die Gefahr eines Flops im Hintergrund.
Beim Audi 80 war alles anders. Er war von Anfang an begehrt und änderte das Image des Herstellers bei einer wichtigen Käuferschicht.

Der Audi 80: Was passiert, wenn zwei Designer ein Auto entwerfen?
Ursprünglich war es Claus Luthe, der das Design des Audi 80 zu verantworten hatte. Einer der begnadetsten Automobilgestalter seiner Zeit, der Ikonen wie den NSU Ro 80 (Link) schuf, und der in seinem tragischen Leben auch die Marke BMW für viele Jahre prägte. Der Auftrag war, mit dem Audi 80 B2 einen größeren und seriöseren Wagen zu schaffen, als es der leichtgewichtige Typ 1 war.
Das gelang Luthe, der jedoch vor dem Abschluss der Arbeiten seine Koffer packte, und nach München verschwand. Dann übernahm Giorgio Giugiaro, der den Entwurf nochmals überarbeitete, sich aber an die Vorgaben von Audi Chef Ferdinand Piëch zu halten hatte, der klare Linien forderte. Die klassische Audi Limousine, ein Schrägheck war alternativ diskutiert und wieder verworfen worden, erfüllte in der Endversion alle Anforderungen.
Sie erschien konservativ, aber nicht altbacken. Modern, durch klare, einfache Linien, aber nicht modisch. Eine Ahnung, dass sich gleich zwei große Designer hier verwirklichten, entsteht nicht. Das Design mit langer Haltbarkeit und wie aus einem Guss orientierte sich am großen Audi 100 (C2) (Link), was sicher ein Vorteil war. Die Ähnlichkeit des kleineren Modells zehrte vom Image des großen Audi und wertete es auf.

Auch das Thema Kombi, oder Avant, war überlegt, aber nicht realisiert worden. Und wäre er Wirklichkeit geworden, wäre es wohl als Fließheck auf dem Markt erschienen, aber noch wagte sich der Hersteller nicht an das Thema heran.
Nur eine Karosserieform und dennoch ein großer Erfolg
Nur eine Karosserieform, von Anfang an viele Leistungsstufen, die bei 55 PS begannen und vorerst bei 110 endeten, das heute unvorstellbare Rezept stimmte von Anfang an.
Tatsächlich begeisterte der neue Audi Aufsteiger, die von Ford, Opel oder Importmarken in Richtung Ingolstadt wechselten. Der 80 galt als sozialverträglich, nicht so herausfordernd wie ein Mercedes, oder sportlich auffällig wie ein BMW.
Auch in meiner Familie gab es einige Audi Sympathisanten, die fleißig Prospekte wälzten, Preise rechneten, und die am Ende doch wieder bei Ford oder Opel landeten, da andere Investitionen vorgingen und der 80 relativ teuer war. Doch die Grundlage war gelegt, und im Laufe der Zeit verabschiedete sich der ein oder andere dann wirklich in Richtung Ingolstadt.
Innerhalb von 8 Jahren wurden 210.000 Neuwagen verkauft, ein enormer Erfolg, mit nur einer Karosserieform. Audi verstand es, den 80 immer wieder zu pflegen und aufzuwerten, auf dem Weg der Marke nach oben.
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Der B2 war exakt das, was die Kunden sich wünschten. Solide, praktisch, kein bisschen extravagant. Und Limousinen waren zu der Zeit das Maß aller Dinge.
Wie man sieht, bleiben manche Formen zeitlos, ob langweilig oder nicht. Wäre interessant zu sehen, wie der Entwurf von Claus Luthe ausgesehen hätte. Ein „Formgestalter“, den ich sehr bewundere. Vom Leben leider nicht verwöhnt… BMW E34, ebenso zeitlos und frei von Schnickschnack. Freilich unter der Mitarbeit von Ercole Spada, leider kürzlich verstorben.
Vermutlich wird im Werksarchiv der Luthe Entwurf dokumentiert sein.
Der Vergleich zwischen seiner Zeichnung und der endgültigen Version (und die Menge der Unterschiede) würde sicher viele interessieren.