Das ewige Duell Turin gegen Wolfsburg geht 1978 in eine neue Runde, denn Fiat schiebt den Ritmo auf den Markt. Er tritt die Nachfolge des Fiat 128 an, der lange sehr erfolgreich war, aber mittlerweile überreif für die Ablösung ist. Auch wenn man es dem Ritmo nicht ansieht, seine technische Konzeption basiert immer noch auf dem 128.
Fiat macht aber sonst alles anders und ist mutig. Der Ritmo, der dem Golf viele Käufer abjagen soll, fällt auf den ersten Blick auf. Sein Design ist modern und polarisierend. Fiat setzt statt der üblichen Stoßstangen großflächige Kunststoffverkleidungen am Bug und Heck ein. Diese sind unlackiert und generell praktisch. Sie fangen kleinere Stöße problemlos auf, müssen nicht teuer lackiert werden und sind eine Idee, die pragmatischen Menschen gefallen sollte.

Den Fiat Ritmo schickt Turin, um endlich Wolfsburg zu schlagen
Vielleicht übertreibt es Fiat an dieser Stelle etwas, denn es fehlt auch der traditionelle Kühlergrill, was für viele Käufer zu viel des Fortschritts ist. Dass die Kunststoffe unter der südlichen Sonne zügig ausbleichen und die Farbe von Anthrazit in ein helles, unansehnliches Grau wechseln, entdeckt man erst später.

Allerdings steht diese Geschichte symbolisch für das ganze Auto.
Erste Tests stellen fest, dass der Ritmo im Prinzip gut gedacht ist. Aber unausgereift und nur halb fertig auf den Markt kommt. Fiat ist tatsächlich unter Druck, die Verkäufe des 128 sind am Boden, und der Vorwurf ist berechtigt. Dazu kommt, dass der italienische Golfjäger ein ziemlich widersprüchliches Auto ist.

Ein Beispiel sind die klar gezeichneten Instrumente, welche generell gut ablesbar sind. Sie werden aber durch eine Digitaluhr links davon ergänzt, welche bei Sonneneinstrahlung gar nicht mehr zu lesen ist und durch den Lenkradkranz halb verdeckt wird.
Ein anderer Punkt ist das Zündschloss. Ohne triftigen Grund wandert es ebenfalls nach links. Nicht wie bei Porsche, wo man es im Armaturenbrett findet, sondern in der Lenksäule. Dort sitzt es so unglücklich, dass es nur mit Verrenkungen zu erreichen ist, und ähnliche Beispiele gibt es mehrere.

Der Fiat Ritmo bietet innovatives Design, welches die Kunden überfordert
Im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern ist der Ritmo dennoch ein gutes und doch durchschnittliches Auto. Es glänzt an keiner Stelle mit besonderen Eigenschaften, fällt aber auch nirgendwo besonders ab. Das Urteil der Fachpresse über den Fiat Ritmo ist damals, dass mit etwas mehr Reife die Anlagen zum Gewinner gegeben wären.

Hätte sich Fiat mehr Zeit gegeben, um ins Detail zu gehen – Turin hätte Wolfsburg vielleicht nicht schlagen können, aber es hätte zum Remis gereicht.
So fremdeln die Käufer mit dem ungewöhnlichen und sehr sachlichen Design. Der Ritmo blieb unter jenen Möglichkeiten, die er gehabt hätte.
Erst im Herbst 1982 zeigt man in Turin ein Einsehen und wechselt mit der großen Modellpflege auf ein viel konventionelleres Design (Link). Die groben Kunststoffverkleidungen, die innovativ und pragmatisch sind, verschwinden. Der Ritmo bekommt endlich das freundliche Gesicht, welches in der wenig experimentierfreudigen und konservativen Kompaktklasse erwartet wird.
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