Man kann darüber streiten, ob der Ford Escort in seiner 3. Generation jemals ein besonders gutes Auto war. Erfolgreich ist er, und die unter dem Entwicklungsnamen Erika laufende Modellreihe ist ein radikaler Bruch mit dem Vorgänger. Der ist kantig und markant, ein Charakterdarsteller (Link).
Der neue hingegen unterwirft sich dem Diktat des Windkanals und Saab Fans werden alleine an der Bezeichnung Aeroheck ihre pure Freude haben. Denn so nennt man bei Ford das neue Fließheck, und wie bei Saab steht es für Luftfahrt und einen geringen Luftwiderstand. Das alleine genügt nicht, um zum Golf, den man in Köln im Visier hat, aufzuschließen. Deshalb investiert man in die Feinarbeit.

Weiter pro Tankfüllung, der Ford Escort mit dem Aeroheck
Die frühen 80er Jahre sind die Zeiten der lang übersetzten Getriebe. Bei Volkswagen ist es die Formel E (Link), die Treibstoff sparen soll und welche gut gemeint ist, aber vom Käufer nicht geliebt wird. Theoretisch sind Einsparungen von 1 bis 2 Litern Benzin auf 100 Kilometer möglich. Aber in diesen Jahren fährt die Menge der bezahlbaren Autos mit 4-Gang-Handschaltung durch die Gegend. Der extrem lang übersetzte 4. nimmt Dynamik und Fahrvergnügen und lässt nur 3 praktikable Fahrstufen übrig.
Die Idee scheitert vorhersehbar.
Vermutlich wäre die Akzeptanz um einiges höher gewesen, hätte man 4 gut abgestimmte Gänge plus einen zusätzlichen als Spargang ausgelegten zur Verfügung gehabt. Doch das hätte manche Kostenkalkulation gesprengt und findet daher nicht statt.
Ford macht es wie Volkswagen und hängt auch im Escort Aeroheck an den 3. Gang einen lang übersetzten 4. Zusätzlich wird das neue Getriebe mit einem hubraumschwachen 1,1 Liter 55-PS-Motor kombiniert. Jede sportliche Ambition darf man bei dieser Konstellation von Anfang an ausschließen.

Auch der Ford Escort hat ein lästiges Assistenzsystem
Natürlich erzieht auch Ford die Kunden mit dem lästigen Assistenzsystem dieser Tage. Die Econo-Warnleuchte, die im Tachometer integriert ist, zeigt den nötigen Gangwechsel an. Sparfüchse, die sich keinen Neuwagen kaufen können oder wollen, erwerben solche Systeme in der Nachrüstung und die Werkstätten verdienen gut an deren Einbau.
Schon bald blinkt oder piepst es in der ganzen Republik, die Deutschen werden auf das Spritsparen eingeschworen und sie machen fleißig mit. Zumindest geht es so lange, bis die Preise an der Zapfsäule wieder fallen oder man sich einfach an die gestiegenen Kosten gewöhnt hat.
Die Formel E Idee und das E-Getriebe haben auch bei Ford eine begrenzte Halbwertzeit, der Kunde entscheidet sich meist anders, aber der Escort mit Aeroheck wird für die deutschen Ford Werke ein enormer Erfolg. Zwischen 1980 und 85 rollen 1.360.300 Exemplare aus den Werkshallen, die Cabriolets nicht eingerechnet.
Der Escort ist vielleicht im Detail nicht das beste Auto seiner Klasse, aber er überzeugt die Kunden als Gesamtpaket.
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