Der Fiat 131 Mirafiori, eine Wunderblume aus Turin

Mirafiori heißt auf Deutsch Wunderblume und soll ab 1974 für Fiat Wunder vollbringen. Denn ein Wunder ist das, was der Konzern, der tief in den roten Zahlen steckt, dringend benötigt. Der Fiat 131 Mirafiori, auch der Turiner Werkskomplex trägt diesen Namen, tritt die Nachfolge des erfolgreichen 124 an.

Der ist damals veraltet, die unglückliche Modellpolitik der Italiener lässt den 131 erst mit Verspätung auf den Markt. Wird er zum Erfolg? Er muss und Fiat unternimmt etwas, was man eigentlich nur bei Volvo oder Saab vermutet.

Der 131 Mirafiori wird für seine Zeit zu einem ungewöhnlich sicheren Auto.

Fiat 131 Mirafiori (1975)
Fiat 131 Mirafiori (1975)

Der Fiat 131 Mirafiori, eine Wunderblume aus Turin

Eigentlich zieht der neue Fiat mit einem Nachteil ins Feld. Die unheimlich sachlich geratene Karosserie ist auf den ersten Blick nicht als Neuheit auszumachen. Die Kastenform ähnelt dem größeren 132, der mit Problemen behaftet, nicht den besten Ruf genießt. Andererseits bringt die klassische Bauweise eine gute Übersichtlichkeit mit sich, was Autotester als positiv bewerten.

Fiat zeigt sich mit der Neuerscheinung ziemlich knausrig. Man bricht mit der Tradition, dass es vier Türen ohne Aufpreis gibt, denn man muss Gewinne erwirtschaften. So wie bei den Deutschen rollte auch der neue Fiat mit nur zwei Türen vor, gegen ein zusätzliches Entgelt von 400 DM (1975) erst mit vieren.

Sogar im Innenraum zeigen sich die Italiener geizig. Die Serie sind veraltete, halbkreisförmige Instrumente. Blendfreie, in quadratische Vertiefungen eingelassene Anzeigen und eine Quarzuhr bekommt nur der, wer die Special Version bestellt. Dann erst wird es im 131 richtig heimelig, denn der Special Kunde erhält außerdem einen wertigen Teppichboden und Sitzbezüge, Innenleuchten im Fond und breitere Armlehnen sowie eine heizbare Heckscheibe. Auch die Doppelscheinwerfer, die eine Menge Optik und Image bringen, sind an eine höherwertige Ausstattung gebunden.

Fiat-Werbung 1975 - die besten Zitate der Presse
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Der Fiat 131 Mirafiori macht auf Volvo und Saab

Komplett zur Wunderblume wird der 131 dadurch, dass es ihn zumindest zeitweise sogar mit selbstreparierenden Stoßfängern gibt.

Das kennt man bereits von Saab (Link), Fiat ahmt es mit einer anderen Technik nach. Außerdem gibt es für alle 131 einen Flankenschutz in den Türen und eine Art von Sicherheitskäfig. Für den Rostschutz kleistern die Italiener die Baureihe, die auch als Kombi zu kaufen ist, mit jeder Menge schwarzer PVC-Masse zu – und geben darauf 2 Jahre Garantie.

Generell wird der 131 in Deutschland mit Applaus empfangen. Die Übersichtlichkeit der Karosserie wird gelobt, der 75-PS-Motor ebenfalls, die kleinere Maschine wird hingegen als zu schwach empfunden. Die Fahreigenschaften sind problemlos und der Federungskomfort wird als brauchbar bewertet.

Was man immer darunter verstehen mag. Lediglich die wenig exakte Lenkung trübt den Eindruck etwas. Die Wunderblume wurde 1.513.800-mal verkauft, heute träumt man in Turin von diesen Mengen. Und zur Wunderblume wurde die Limousine tatsächlich im Jahr 1980, als Walter Röhrl mit ihr Rallye-Weltmeister wurde.


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