Das Tipo 4 Projekt ist längst Legende. Alfa Romeo, Saab, Lancia und Fiat arbeiten zusammen an einem Oberklasse Projekt, das vier unterschiedliche Auto-Charaktere hervorbringt. Da ist der Alfa Romeo 164 (Link), eine aufregende Sportlimousine durch und durch. Der Lancia Thema übernimmt, ganz der Tradition des Hauses verpflichtet, die Rolle des noblen Oberklassebeitrags (Link).
Und Saab? Für die Schweden ist es eine Premiere. Denn im Gegensatz zu Alfa Romeo, Lancia und Fiat haben sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Oberklasse Tradition. Der Saab 9000 Turbo (Link) wird ein Überraschungserfolg, welcher das Überleben der Marke aus Trollhättan auf Jahre hinaus sichert. Der Fiat Croma folgt auf den Argenta. Er ist nicht annähernd so glamourös wie seine Entwicklungsbrüder und teilt zwar deren Technik, aber besitzt nicht deren Image.
Heute ist er kaum noch präsent und während Alfa, Saab und Lancia treue Freunde haben, erwärmt sich kaum einer für den großen Fiat.

Der Fiat Croma ist das vergessene Mitglied des Tipo 4 Projekts
Die Welt ist ungerecht, das wissen wir alle. Besonders ungerecht ist sie in der Würdigung des Fiat Croma, denn ohne ihn hätte es keine Tipo 4 Gemeinschaft gegeben. Lancia hätte ohne das Geld aus Turin nicht die Entwicklung zusammen mit Saab begonnen. Die Schweden hätten alleine kein Oberklasse-Fahrzeug realisieren können, geschweige denn produzieren.
Fiat ist in den 80er Jahren europaweit führend im Bereich der Automation, während Saab hier echte Defizite aufweist. Ohne die massive Entwicklungshilfe aus Italien wäre es schwer geworden, das Werk im schwedischen Trollhättan umfassend zu modernisieren. Denn erst mit dem Saab 9000 und südlicher Unterstützung ziehen Roboter im großen Maßstab in die Hallen ein.

Und Alfa Romeo? Zum Beginn des Tipo 4 Projekts befindet sich die ikonische Marke noch nicht unter dem rettenden Fiat Dach. Die Kassenlage ist allerdings desaströs, an eine moderne Entwicklung wie den Alfa 164 ist nicht zu denken. Erst mit der Übernahme durch den Fiat Konzern wurde der 164 realisiert. Er erscheint deshalb als letztes Mitglied der Viererfamilie auf der Bildfläche.
Zwischen Fiat Croma und Saab 9000 liegen mehr als nur 10.000 DM
Zwischen Fiat Croma und dem Lancia Thema liegen imagemäßig Welten, auch wenn der Technikbaukasten vergleichbar ist. Der Saab 9000 ist ohnehin weit weg vom Croma. Wer jemals einen Fiat neben einem 9000 von unten auf der Hebebühne betrachtet hat, erkennt die grundlegenden Unterschiede zwischen dem schwedischen Sicherheitsdenken und günstiger Produktion.

Aber wie der Saab 9000 hat auch der Croma eine große Heckklappe und übernimmt daher die Rolle des vielseitigen Autos. Die Materialien im Innenraum sind einfacher gewählt als beim Rest der Tipo Familie, ohne jedoch ärmlich zu wirken. Die Ausstattung ist wie immer großzügig, das Motorenangebot kann man ebenfalls als reichhaltig sehen.
In der Tipo Hirachie übernimmt der Croma die Rolle des preiswerten Angebots. Einen Saab 9000i 16V bekommt man 1986 für 36.900 DM ohne ABS und Katalysator. Den vergleichbar motorisierten Croma 2000 i. e. kann man bereits für 26.700 DM erwerben.
Dazwischen liegen unter anderem eine Menge Image, viel Geld, und im Fall von Saab eine Masse an zusätzlichem Schwedenstahl.

Der Fiat Croma schreibt Geschichte, die vergessen ist
Und während der Alfa zur Legende wurde, die Saab Fans den 9000 lieben und die Lancia Menschen den Thema pflegen, ist der Croma heute vergessen. Dabei startete seine eigentliche Karriere erst mit Verzögerung.
Im Frühjahr 1987 begann er als erster Pkw mit Diesel-Direkteinspritzung aus europäischer Herkunft, Autogeschichte zu schreiben. Leider versäumte es Fiat, die Pioniertat nachhaltig in die Köpfe der Kunden zu bringen.
Audi, als Nachzügler am Markt, war in dieser Disziplin besser, effektiver, und gilt heute für die meisten als Erfinder dieser Technik. Der Audi TDI ist ein Begriff, der Fiat Croma TD i.d. ist vergessen. Und wieder einmal sieht man, wie ungerecht die Welt sein kann.
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Gut geschrieben und leider wahr. Der Croma 1 ist vollkommen vergessen.
Ich lese jeden Eurer Berichte mit Begeisterung! Sie bringen die Erinnerungen an Autos zurück, die ich einmal hatte.
Macht weiter so!