Alfa Romeo baut in den 90er Jahren beides. Autos für das Herz und gleichzeitig für den Verstand. Im Bekanntenkreis sind zu dieser Zeit gleich zwei Alfa Romeo 164 unterwegs. Beide sind verpflichtend rot. Sonst, aber sie sind so unterschiedlich wie ihre Besitzer.
Einen Alfa Romeo 164 2.0 Twin Spark fährt ein älterer Herr. Den 164 3.0 V6 pilotiert der Juniorchef eines Unternehmens, der sich in meinem Alter befindet. Einer der Alfa-Besitzer ist sehr zufrieden, der andere hadert mit seinem Fahrzeug. Er schwankt immer wieder zwischen heißer Liebe und tiefstem Selbstzweifel.
Das ist Alfa Romeo Leben in Reinkultur.

Der Alfa Romeo 164, war er vielleicht der letzte aufregende Alfa?
Der Alfa Romeo 164 ist ein verspäteter Nachkömmling aus dem Tipo4 Projekt, das Alfa, Lancia, Fiat und Saab betreiben und aus dem erst 1987 der 164 hervorgeht. Er ist aufregend, denn sein Design ist hinreisend und wenn es um die Schönheit allein geht, denn gewinnt der Alfa gegen den Saab 9000, Fiat Croma und Lancia Thema mit einigem Vorsprung.
Saab nimmt das Thema sehr ernst und wittert die Konkurrenz in befreundeten Reihen. Die Schweden zerlegen den 164, der einige Gene mit dem 9000 teilt, in einem internen Schulungsfilm (Link). Das gelingt recht einfach, denn während der große Saab sachlich durchdacht ist, spricht der große Alfa primär das Herz an.
Er tut das nicht nur mit seinem Design und seinem Bedienkonzept, das in Schönheit jenseits der Praxis lebt, sondern auch mit seinen Motoren. Womit der Busso V6 zur Sprache kommt, jener legendäre Alfa-Romeo-Antrieb, den man einmal in seinem Leben gefahren haben muss. Weil man sonst etwas Grundlegendes, die Sinne verzauberndes, versäumt hat.

Dem Zauber dieses von Giuseppe Busso entworfenen Triebwerks erliegt der oben erwähnte Junior Chef. Er liebt seinen Alfa vermutlich deswegen. Er heizt mit dem ikonischen Italiener rastlos quer durch die Republik von Termin zu Termin und ist Material-tötend unterwegs. Der Alfa ist Stammgast in der Werkstatt, die Geschichte mit Dauervollgas, damals noch möglich, verkraftet er nicht. Entsprechend schwankt sein Besitzer zwischen Liebe und Verzweiflung.
Anders geht die Geschichte beim älteren Herren weiter. Der kauft die Alfa Liebe, wissend um die Schwächen des V6 als 2.0 Twin Spark. Er lässt es ruhig angehen, die Schönheit des Alfa Romeo 164 ist im wichtiger als die fehlende V6-Arie aus dem Busso-Motor.
Tatsächlich kann Alfa Romeo beide Kunden nicht lange halten. Sie wechseln Jahre später dorthin zurück, woher sie kamen. Zu BMW, denn die Bayern bieten zwar weniger fürs Herz, dafür aber die Konstanz die Alfa Romeo niemals auszeichnete.
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