Schon die Entstehungsgeschichte ist schwierig. Zu Beginn der 1970er Jahre gehört Simca zum amerikanischen Chrysler Konzern und die Marke ist nur ein europäisches Invest unter vielen. In Großbritannien besitzt Chrysler die Rootes Gruppe, in Spanien den Lkw Hersteller Barreiros. Alle drei Unternehmen sind intensiv damit beschäftigt, ihr eigenes Ding zu machen, eine einheitliche Koordination existiert nicht.
Die Rootes Gruppe arbeitet an einem großen Pkw, Simca tut es ebenfalls, und die Spanier wollen auch etwas von der Pkw Produktion abbekommen. Die Parallelwelt zwischen England und Frankreich endet mit dem Beschluss, dass die Rootes Entwicklung den Vorrang bekommt und Simca seine Arbeiten einstellt.
Zu dem Zeitpunkt fällt ebenfalls die Entscheidung, den populären Namen Simca vom Markt zu nehmen, und der Chrysler 180 wird das erste in Poissy gefertigte Fahrzeug sein, welches nicht mehr auf den Namen Simca hört.

Das Auto mit den vielen Markennamen: Der Chrysler 180!
Die Umbenennung kann als verzweifelter Versuch interpretiert werden, so etwas wie Ordnung in die europäischen Geschäfte zu bringen. Erfolgreich ist sie nicht. Zwar wird überall, wo es möglich ist, der Simca Schriftzug durch Chrysler ersetzt. Aber in der Werbung taucht immer wieder der alte Markenname neben dem neuen auf.
Der Chrysler 180 kommt 1970 mit dem neuen Namen auf den Markt.
Kein Simca Schriftzug nirgendwo, und das kommt bei den bisherigen Kunden denkbar schlecht an.
Die Werbetexter versuchen, eine Brücke zu bauen. Es ist die Rede von „französischer Technik und amerikanischem Komfort“, doch so richtig verfängt das nicht. Der Chrysler 180 und seine Varianten 160 und 160 GT sind weder das eine, noch das andere. Simca hatte als großes Modell einen glattflächigen, modernen Entwurf projektiert, der zur Marke gepasst hätte.
Doch der von Rootes durchgesetzte Chrysler sieht damals bereits als Neuwagen recht betulich und leicht barock aus. Er ist mehr englische Konstruktion als französische und keinesfalls ein großer Simca.
Von Anfang an ist er ein Exot und zu Hause im Nirgendwo des großen Chrysler Reiches.
Der Chrysler 180 verkauft sich von Anfang an schlecht!
Es gibt Autos, die verkaufen sich von Beginn an schlecht, und es wird auch später nicht besser. Dazu gehört ebenfalls der Chrysler 180, für den niemand eine echte Begeisterung entwickelt. Der Absatz bleibt konstant weit unter den Erwartungen, Simca Kunden wenden sich ab und die Produktqualität gilt als lausig.
Vermutlich haben die früheren Simca Mitarbeiter in Poissy, deren Werk jetzt den Chrysler Schriftzug trägt, wenig Lust auf das Kuckuckskind.

Nach nur 5 Jahren sind sie den Chrysler los. Der Lkw Hersteller Barreiros übernimmt und produziert in Spanien und macht jetzt endlich auch ein wenig in Hinblick auf das Pkw-Geschäft. Noch einmal zwei Jahre später ist es dann auch für die Kunden mit dem Chrysler Spuk vorbei.
Aus dem Chrysler wird wieder ein Simca-Chrysler
Die erste Namensänderung steht an und aus dem Chrysler 180 werden der Simca-Chrysler 1609 und 1610, nachdem die Markennamen-Experimente tiefrote Spuren beim Absatz und in der Bilanz hinterlassen haben. Wie viel Geld Chrysler mit seinem Experiment verbrannt hat, wird man nie erfahren. Es werden enorme Summen gewesen sein.
Ab 1977 kann man in Frankreich und dem Rest von Kontinentaleuropa wieder Fahrzeuge mit dem Simca Schriftzug kaufen, ergänzt mit dem Chrysler Zusatz und nur in Großbritannien bleibt es beim Chrysler Namen. Dem Absatz des Simca-Chrysler 1610 nutzt die Operation wenig. Sein Image ist ernsthaft und auch dauerhaft beschädigt.
Doch der Chrysler Konzern hat zu viele Baustellen und Probleme. Er trennt sich zwei Jahre später vom Europageschäft und die PSA Gruppe übernimmt. Aus dem Simca-Chrysler 1610 wird ab 1979 der Talbot 1610 und nach dem Modelljahr 1980 endet der Vertrieb in allen europäischen Ländern.
Außer in Spanien, wo sich die Geschichte zwei weitere Jahre dahinhinschleppt.
Sieht man vom spanischen Markt ab, wo es einen Diesel und Umbauten zum Kombi gab, erfährt der Simca-Chrysler 180 in allen Jahren seiner Produktion nie eine ernsthafte Modellpflege oder Weiterentwicklung. Er bleibt ununterbrochen das ungeliebte Auto zwischen den Welten in einer chaotischen Phase der Simca Firmengeschichte.
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