Wie verwegen ist es bei einem Modell, welches ikonisch und weltweit für die Gattung eines kleinen Roadsters steht, den Markennamen zu wechseln? Der Triumph Spitfire, eines jener Fahrzeuge mit scheinbar ewiger Produktionsdauer, hört 1977, im 15. Jahr seit seiner Premiere, nicht mehr auf den Namen Triumph.
Aus dem Triumph ist der Leyland Roadster geworden. Ob die Kunden den Wechsel tatsächlich registrieren, das darf bezweifelt werden. Denn der Spitfire, der seinen Namen von einem berühmten Weltkriegsflugzeug erhielt, ist mit dem Namen Triumph fest verbunden.
Er ist einer der letzten echten englischen Roadster in einem schrumpfenden Marktsegment.

Der Triumph Spitfire hat einen Hauch von Jaguar E-Type
Vorgestellt im Jahr 1962, wird der Roadster im Grundprinzip unverändert bis 1980 produziert. Der Triumph ist klein, fast winzig, er misst nur knapp 3,70 Meter. Er ist spartanisch und leicht, das Leergewicht überschreitet im Laufe der Entwicklung selten die 800 Kilogramm Marke, die Batterie eines Elektroautos wiegt heute ähnlich viel.
Wer seine Beine erfolgreich in den kleinen Triumph eingefädelt hat und Platz nimmt, der sitzt fast auf der Pendelhinterachse. Vor ihm baut sich die beeindruckende Motorhaube der von Michelotti gestalteten Karosserie auf. Sie nimmt eine Länge und Höhe ein, welche man bei einem so kleinen Wagen nie vermutet hätte.
Aus der Perspektive des Fahrers gesehen, kommt ein Hauch von Jaguar E-Type auf.
Der Triumph Spitfire ist ein Roadster alter Schule. Er fährt sich sehr direkt, alles dringt völlig ungefiltert zum Fahrer durch. Diesen Purismus muss man lieben, ein MGB (Link) ist im direkten Vergleich ein Roadster der Luxusklasse. Zu der Zeit, als er von Leyland produziert wird, hagelt es jedoch Kritik. Der Purismus geht Hand in Hand mit einer gewissen Schlamperei in der Herstellung.
Der Spitfire erhält vom ADAC 1976 die silberne Zitrone, einen Negativpreis für die schlechtesten Neuwagen.

Doch seiner Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Der Spitfire, von Fans liebevoll Spiti genannt, ist der Roadster für den kleinen Geldbeutel. Seine Technik ist einfach zu reparieren, Ersatzteile sind günstig. Der offene Brite erträgt jede Vernachlässigung mit Geduld. Studenten und Lehrlinge können in den 80er und 90er Jahren günstig einen offenen Wagen mit Charakter fahren.
Das bringt Spaß und Lebensgefühl und eine Art von rebellischer Unangepasstheit.
Roadster wie der Triumph Spitfire sind heute ausgestorben
Übrigens: Die 70 PS, welche der 1,5 Liter große Motor an Leistung bietet, reichen absolut aus für Sportwagengefühle. Der Spitfire, egal ob er auf den Namen Leyland oder Triumph hört, fährt sich direkt wie ein Go-Kart. Er ist handlich und sein Wendekreis ist minimal.
Die Spitzengeschwindigkeit von 163 km/h entspricht gefühlt sehr viel mehr Tempo, verstärkt wird das Empfinden durch die Sitzposition, die sich nur Millimeter über dem Asphalt zu befinden scheint. Heute gibt es diese Gattung Autos nicht mehr. Alleine Mazda hält mit dem MX 5 (Link) die Fahne des klassischen Roadsters weiter in den Wind.
Aber mit 300 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem Triumph Spitfire fordert auch hier der Fortschritt und der Gesetzgeber seinen Tribut.
Der Markenname Triumph, der bei Leyland und der Rover Gruppe landete, gehört heute allerdings BMW. Die Münchner kennen seinen Wert und immer wieder gibt es Gerüchte, dass sie über ein Comeback nachdenken.
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