Ein Slogan aus den 80er Jahren, an den man sich erinnert, ist der „kleine Freund“. So bewirbt der französische Staatskonzern den Renault 5, und tatsächlich hat die Marke zu diesem Zeitpunkt gute Freunde auch bitter nötig. Denn es läuft nicht gut: Eine Mischung aus verfehlter Modellpolitik und hohen Produktionskosten führt fortgesetzt zu katastrophal hohen Verlusten.
Die begleicht der Staat aus Steuergeldern, was wiederum den privaten PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) erzürnt. Dieser wittert eine Wettbewerbsverzerrung – ein umfangreiches Rationalisierungs- und Modernisierungsprogramm soll die Wende bringen. Erfolgreich im Programm von Renault entwickelt sich eigentlich nur ein Modell – das ist der R 5.

In den 80er Jahren ist der Renault 5 der kleine Freund
Der wird als kleiner Freund beworben, nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Heimat. Schon der erste, 1972 auf dem Markt erschienene R 5 bediente das Kindchenschema. Mit einem schmachtenden Blick aus großen und freundlichen Scheinwerferaugen wird er zum Mitglied der Familie – welches vor dem Haus parkt.
1984 renoviert Renault seinen Erfolgsgaranten umfangreich. Man geht dabei vorsichtig zum Werk und bleibt der von Marcello Gandini entworfenen Grundlinie treu. Die zweite Generation knüpft so an die Erfolge der Urversion an, was auch auf die vielen Varianten zurückzuführen ist, in denen die Franzosen den Renault 5 liefern.
Über allen thront die noble Baccara Version, die verschwenderisch mit Ledersitzen ausgestattet Oberklasse Gefühle in den Kleinwagen bringt. Als Alpine 5 Turbo (Link) fliegt der R 5 mit fast 200 km/h über die Strecke und dann gibt es unzählige andere Varianten und Sondermodelle und Dieselmotoren und ein Automatikgetriebe. Aber allen gemeinsam sind eine überragende Raumausnutzung (der Renault wirkt innen größer als außen) und die Vielseitigkeit im Alltag.

Die große Heckklappe reicht bis weit zum Boden, sie ermöglicht ein einfaches Beladen, und mit umgeklappten Sitzen schluckt der kleine Freund bis zu 900 Liter Gepäck.
Die Klassenlosigkeit des Renault 5, den vom Direktor bis zum Studenten jeder fährt, ist ein Stück Lebensgefühl. 1986 wirbt Renault (Autos zum Leben) für den 5 TS als kleinen Freund. Natürlich geht es den Werbetextern um Freiheit, die grenzenlos sein soll. Ist sie das tatsächlich? Man sieht den Renault 5 zu dieser Zeit überall im Straßenbild, er ist der Rivale des Peugeot 205 (Link) und des Fiat Uno.
Welches das bessere Auto ist, entscheidet oft der persönliche Geschmack und auch das Verkaufsgeschick des Händlers vor Ort. Der Renault 5 wird jedenfalls auch in Generation 2 Kult. Er ist nach dem Produktionsende 1996 noch lange auf französischen Landstraßen anzutreffen.
Für Renault ist er vielleicht in Zukunft wieder das Erfolgsmodell. Jetzt rein elektrisch, um einiges erwachsener geworden, mit keinem schmachtenden Kinderblick mehr. Aber immer noch der Grundform von Marcello Gandini folgend.
Entdecke mehr von carstories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

