Zwei Dinge fallen besonders auf, wenn man das hier gezeigte Foto betrachtet. Die 70er Jahre sind aus automobiler Sicht bunt und vielfältig. Sogar unter dem besonderen Umstand, dass sämtliche hier gezeigten Fahrzeuge beim Fiathändler bestellt werden könnten.
Welchen der Wagen würden Sie denn gerne in Auftrag geben?
Den Fiat Dino vielleicht, einen 124 Spider oder das 850 Coupé?
Das Pressebild wurde 1971 aufgenommen und fällt damit in meine Kinderzeit. Wie Jungs damals sind, kennen wir alle Autos im Detail, Autoquartett spielen, eine historische analoge Interaktion mit tatsächlich vorhandenen Freunden, ist damals groß in Mode.
Dass eines dieser Autos viele Jahre später für mich eine Rolle spielen wird, ist jedoch nicht zu erwarten.

Kleinwagen bis Luxusklasse – Fiat, der Vollsortimenter aus Turin
Natürlich ist es nicht der Fiat Dino (Link), der mich ungeheuer anfixt. Mit der frischen Fahrerlaubnis in der Tasche, die mit hart erarbeitetem Geld bezahlt wird, ist in jungen Jahren mein Budget zum Autokauf naturgemäß limitiert. Allerdings gibt es in der Mitte der 80er Jahre selbst Traumwagen für kleines Geld.
Die kommen naturgemäß aus Italien, und auf eine seltsame Art verfolgt mich die Vorliebe für italienisches, französisches und exotisches schwedisches Blech seit Ewigkeiten. Meine temporäre Stammkneipe liegt zu dem Zeitpunkt in der direkten Nachbarschaft eines Gebrauchtwagenhändlers, der idealerweise immer wieder komplett unvernünftige Exoten für kleineres Geld im Angebot hat.

Ohne richtigen Verdienst und frisch von der Schule wird es jedoch eng. Der Alfa Romeo 6, der beim Händler in der Ecke steht, wird ein Thema. Aber nicht jetzt. Auf dem Titelbild fährt in der Mitte ein Fiat 850 Coupé, genau das wird mir gefährlich. Zwei Reihen weiter hinten entdeckt man es in jenem Orangeton, welcher auch mein angestrebtes Objekt hat.
Der Fiat ist heiß, damals, denn er hat alle Attribute, die man von einem kleinen Sportwagen erwartet. Heckmotor, Sportsitze, ein tolles Lenkrad und ein Armaturenbrett mit einer analogen Uhrensammlung, die vom Fiat Dino träumen lässt.

Ich schleiche immer wieder um den Fiat, rechne mein knappes Budget und träume vor mich hin. Der sportliche Traum aus Turin befindet sich in einem gut gebrauchten Zustand, von Autos weiß ich nicht genug, ich bin jung.
Einem Gast meiner Stammkneipe fällt diese italienische Autoleidenschaft auf. Er ist viel älter, erfahren und hat vermutlich Mitleid mit dem Neuling. Er bewahrt mich vor einem teuren Fehler, indem er mich zur Seite nimmt und mir den 850 erklärt. Der besteht – nun ja – aus einer neuen Lackierung im hinreißenden Orangeton. Und hauptsächlich aus einer ziemlichen Menge an Spachtelmasse.
Der Fiat-Traum zerrinnt, nie werde ich ein 850 Coupé besitzen. Ich freue mich aber immer noch, wenn ich Jahrzehnte später eines im Straßenverkehr entdecke.
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