Betreffend die Merkwürdigkeit der Kooperation lag die Zusammenarbeit von Rover und Honda einst recht weit vorn. Doch sie funktionierte akkurat für beide Seiten, obwohl Engländer und Japaner wenig gemeinsam hatten. Honda stand in den 80er Jahren für Sportlichkeit, die Marke baute Image mäßig BMW auf Japanisch.
Und Rover? Darüber konnte man uneins sein. Im Zweifelsfall bestand ein Zusammenhang mit der schrulligen Gemütlichkeit des Landadels und dem verblassenden Glanz des Empire. Der Rover 800, ein Oberklasse-Beitrag von der britischen Insel, vereinte sämtliche Widersprüche dieser Welten in sich.
Und wurde deshalb sträflich unterschätzt.

Der Rover 800 war der Japaner ihrer Lordschaft
Autos von Austin Rover basierten bis zum Einstieg von BMW und dem neuen Rover 75 seit Beginn der 80er Jahre auf Modellen von Honda. Die Wahl war keine schlechte, denn zuverlässige und teilweise hochkarätige japanische Technik des Formel-1-Weltmeisters wurde mit britischem Design gepaart und vereinzelt steuerte Rover eigene Technikkomponenten bei.
Vereinfacht gesagt, kleideten die Briten die Honda-Basis neu ein, was der Geschichte nicht zu 100 % gerecht wird, denn die Europäer durften sich in Teilen bei der Entwicklung einbringen.
Heraus kamen Fahrzeuge wie die Rover 600 oder 800 Serie, die ziemlich merkwürdige Charakterzüge aufwiesen. Schaute man sich den Rover 800 beim Vertragshändler an, wurde man von Holz, Leder und Britishness attackiert. Die von Honda direkt übernommenen Bedienelemente standen in einem merkwürdigen Kontrast zu dem Flair, welches der Rover ausstrahlte, und diese merkwürdige Aura verstärkte sich in dem Moment, wenn man zur Probefahrt startete.

Der Rover 800 ist sportlich wie ein Honda
Denn der Rover 800 war das, was man vielleicht als Letztes erwartet hätte. Er war sportlich und keineswegs so betulich und gediegen, wie es das Interieur vorspielte. Der Salon der Lordschaft traf auf eine sehr direkte Lenkung, eine ziemlich sportliche Federung und es ist klar, warum Honda in diesen Jahren einen extrem großen Fankreis hatte.
Generell konnte man feststellen, dass der Rover der besser aussehende und schöner ausstaffierte Honda Legend war, auf dem er basierte. Und vielleicht ist es so, dass der große Rover, welcher den legendären SD1 ersetzte, viel mehr Kunden verdient hätte, als tatsächlich eine Bestellung beim Händler unterschrieben.

Denn das Problem für Rover in diesen Jahren war wohl nicht, dass man die Honda-Basis neu einkleidete und es unterließ, die Fahrzeuge in jedem Detail auf Rover zu trimmen. Ein Hauptproblem war in Deutschland die Vertriebsstruktur, die selten große und finanzstarke Händler umfasste, die den Oberklasse-Briten erfolgreich hätten vermarkten können.
So landete der Rover 800 als Vorführwagen bei kleinsten Werkstätten und einer Kundenklientel, die Sonderangebote gewohnt war (Link), und die seine Qualitäten nur selten zu schätzen wusste. Dabei vereinte der Japaner für ihre Lordschaft doch das Beste aus zwei völlig unterschiedlichen Welten.
Technische Daten Rover 825i Sterling (1987):
V-6 Motor, 2494 cm³, 169 PS (Kat), 221 Nm bei 4.000 Umdrehungen/min
Einspritzung
Querlenker und Schraubfedern vorn, Längslenker und Federbeine hinten
Leergewicht 1360 Kilogramm
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h
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