Mitsubishi war in der Vergangenheit erfolgreich auf dem deutschen Markt unterwegs, und die erste Generation des Colt (A150) verkaufte sich fast von selbst. Mit der Einführung der Generation 2 im Jahr 1984, die dem Ur-Colt ähnelte und wie ein Botox-Facelift aussah, verlor der Kompaktwagen jedoch etwas von seinem Charakter.
Die geglättete Front wirkte nun verwechselbar, aber Mitsubishi war noch Lichtjahre davon entfernt, Badge-Engineering mit Renault zu betreiben, wie man es heute tut. Damit die Marktanteile gewahrt blieben, gab es Sondermodelle. Entweder lokal, indem der Händler Dekorstreifen auf unverkaufte Ware klebte und daraus eine Edition zum Sonderpreis machte. Oder ganz offiziell. Indem der Importeur selbst ein Sondermodell auf den Markt brachte.

Mitsubishi Colt Bianco: Brachte er Göttinnen aus der Fassung?
Die Importeure hatten natürlich wenig Spielraum, wenn es um das Erfinden von Sondermodellen ging. In den 80er Jahren waren es die besonders beliebten Dekorstreifen, die auf dem Gelände des Importeurs angebracht wurden. Eventuell gab es noch ein Radio und ein paar farbige Radzierblenden dazu und einen Preisvorteil.
Und fertig war das Sondermodell.
Die Idee mit den Sondermodellen ging so weit, dass im Auftrag des Importeurs Klebetrupps bundesweit durch die Autohäuser zogen und so automobile Ware, die kurz vor dem Verfallsdatum war, aufwerteten.
Mit dem Mitsubishi Colt Bianco ging die deutsche Importgesellschaft eventuell noch einen Schritt weiter. Zierleisten, Kühlergrill und Stoßfänger wurden lackiert, die weißen Radzierblenden kamen dazu, ein seitlicher Aufkleber – und fertig war ein Mitsubishi, welcher selbst Göttinnen aus der Fassung bringen sollte.
Man bemerkt: Auch 1987 hatten Werbetexter einen schweren Stand und neigten dazu, zu übertreiben.
Dass es der deutsche Importeur war, ist allerdings reine Theorie. Es kann auch sein, dass der Mitsubishi Bianco bereits so aus Japan kam. Denn die 55-PS-Version war ein Auslaufmodell und verschwand mit dem folgenden Modelljahr aus den Preislisten.
Was alle Mitsubishi Fahrzeuge dieser Jahre auszeichnete, das war ihre Zuverlässigkeit. Der große Erfolg der Colt Baureihe in Deutschland basierte auf großzügiger Ausstattung, niedrigen Unterhaltskosten, Zuverlässigkeit und Einstiegspreisen, die geringer waren als bei den heimischen Herstellern .

Ein Mitsubishi Colt ist emotionsfrei, oder?
Der Nachteil? Im direkten Vergleich fuhr sich der Colt langweiliger als ein Golf oder Opel Kadett (Link), er war nichts für Menschen mit Benzin im Blut. Langweilig für immer. Oder?
Doch halt, so war es nicht.
Die Mitsubishi Manager hatten das Verlangen der Kundschaft nach mehr Emotion erkannt. Und sie reagierten und versorgten die Gemeinde mit Dach- und Heckspoilern und sportlichen Grilleinsätzen. Und zumindest die prägnanten RALLIART (Link) Aufkleber sah man eine gewisse Zeit an jedem zweiten Mitsubishi.
Dann konnte man sich sogar im 55-PS-starken Colt wie unterwegs auf der Paris-Dakar Rallye fühlen.
Technische Daten Mitsubishi Colt 1.2 (1987):
Reihenvierzylinder, 1198 cm³, 55 PS, 90 Nm bei 3.500 Umdrehungen/min
Vergaser Asia Kogyo
Querlenker und Federbeine vorn, Längslenker und Schraubfedern hinten
Leergewicht 820 Kilogramm
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
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