Das Rezept ist immer wieder das gleiche. Der Herausforderer, in dem Fall der Lancia Beta, attackiert das Marktsegment über den Preis und die Ausstattung. Das geschieht 1972 und Lancia geht auf Eroberungstour. Die Kassen des Unternehmens sind nicht mehr chronisch leer, drei Jahre zuvor stieg Fiat ein und beendete ein ewiges Siechtum.
Jetzt soll es nach oben gehen, und Lancia adressiert seine natürlichen Gegner. Die tragen die traditionsreichen Namen Jaguar und Mercedes und in mancher Hinsicht waren die Italiener mit ihnen lange auf Augenhöhe. Jetzt will Lancia überholen und fährt den neuen Beta vor.
Der Nachfolger der Lancia Fulvia Limousine ist ein Fließheck. Wird das gut gehen?

Mit viel Ausstattung und kleinem Preis will der Lancia Beta punkten
Der Lancia Beta ist eine Geschichte mit vielen Vätern (Link). Sie beginnt unter Lancia Regie, dann kommt Fiat hinzu und zum Schluss mischt Citroën mit. Da viele Köche in der Regel zusammen kein gutes Gericht auf die Teller bringen, stehen auch die Wetten für den Beta schlecht.
Er ist für die eingefleischte und anspruchsvolle Kundschaft ein Kulturschock. In einer Fahrzeugklasse, in der man das Fließheck maximal von Citroën mit der DS (Link) gewohnt ist, wirkt der Beta für Fulvia Kunden wie eine kalte Dusche. Was noch schlimmer ist, die gewohnten Lancia-Motoren werden vermisst.

Der Kunde, der die Motoreskapaden der Marke gewohnt ist und der den V4 mit nur 13 Grad Zylinderwinkel schätzt, muss jetzt mit einem Fiat-Motor zufrieden sein? Wo bleibt die Besonderheit der Marke und die Lancia DNA? Natürlich werden die Fiat-Triebwerke für den Einsatz im Lancia Beta überarbeitet und verfeinert, aber das beruhigt die Kunden nicht.
Der Lancia Beta gilt als verkleideter Fiat, was ungerecht ist, da viele Innovationen wie die Lancia Super Duplex Bremsanlage und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung das Fließheck besonders machen. Der Umstand, dass neben dem Fiat Antrieb ein Citroën Getriebe zum Einsatz kommt, macht es nicht besser.

Was wäre geschehen, hätte es den Lancia Beta von Anfang als Limousine gegeben?
Da helfen auch der günstige Einstiegspreis und die umfangreiche Ausstattung wenig, mit der Lancia werbetechnisch in die Offensive geht. Die Lancia Beta Limousine, die landestypisch als Berlina bezeichnet wird, kommt in 9 Jahren Bauzeit auf nur 194.916 Exemplare. Das ist zu wenig, um von einem durchschlagenden Erfolg zu sprechen.
Erst 1980 haben die Markenstrategen ein Einsehen und schieben den Lancia Beta Trevi nach. Jetzt bekommen die Kunden die gewünschte traditionelle Limousine, aber es ist zu spät. In vier Jahren kann Lancia nur 52.567 Kunden für sie gewinnen, und es bleibt die Frage, was geschehen wäre, wenn es die Limousine statt des Fließhecks von Anfang an gegeben hätte?
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