Zu den weltweit ikonischsten Rückseiten eines Autos zählt ohne Zweifel der Porsche 911. Vielleicht ist er der bekannteste blechgewordene Rücken überhaupt, eine Skulptur, und Porsche verstand es ausgezeichnet, seine Ikone zu pflegen. Bereits beim Urmodell war Evolution statt Revolte angesagt. Doch wenn in Zuffenhausen ein weiteres Triebwerk gezündet wurde, geschah das nachhaltig.
1971 hatte der 911 den neuen 2.4-Liter-Motor im Heck, der standesgemäß in Le Mans den ersten Erfolg feiern konnte. Direkt von der Rennstrecke zum Kunden, das war ein bewährtes Konzept in der heißen Zeit der Verbrenner. Nicht Porsche alleine nutzte den Ruhm der Rennstrecke, auch bei Ferrari und Kollegen übernahm man das Muster.
Der Porsche 911 2.4 startete das Urmodell in neue Umlaufbahnen – mit begeisternden Leistungswerten.

Der Porsche 911 2.4, den man aus Le Mans kennt
Es war tatsächlich so, dass es für Porsche nicht damit getan war, einen vergrößerten 6-Zylinder-Boxermotor in das Heck des 911 zu verpflanzen. Der Aufwand war erheblich, denn das Drehmoment war ebenfalls gestiegen. Bereits ein 911 E 2.4 leistete 165 PS und 205 Nm und war damit nicht einmal die kräftigste Motorisierung, sodass auch ein neues Getriebe (Typ 915) fällig war.
Die drei Leistungsstufen lieferten bei Bedarf 130 PS im 911 T, 165 im 911 E und sagenhafte 190 im Porsche 911 S ab. Mit dem 911 S wagte sich das Team Raymond Touroul und André Anselme 1971 in der GT-Klasse auf die 24 Stunden von Le Mans und holte dort den Sieg. Drei weitere 911 2.4 folgten unter den ersten 7, ein enormer Triumph für die Schwaben.
Das Spitzenmodell, der 911 2.4 S, musste entsprechend teuer bezahlt werden. Denn Ruhm von der Rennstrecke gab es noch nie preiswert zu kaufen. 30.680 DM standen als Grundpreis 1971 in den Prospekten. Eine exorbitante Summe für ein exorbitant schnelles Auto, dessen Höchstgeschwindigkeit bei unglaublichen 234 km/h lag.

Zum Vergleich: Ein Lancia Fulvia Coupe (Link), mit 90 PS Leistung nicht schwach motorisiert, und ebenfalls als Sportler anerkannt, war zu dieser Zeit für nur 11.900 DM zu erwerben.
Interessant am Rande ist der Umstand, dass der hochgezüchtete Motor im Gegensatz zum Marktumfeld nicht zwingend nach Superkraftstoff verlangte und Porsche die Höchstleistung im Betrieb auch mit normalem Benzin versprach. Als Sonderfall bei den frühen 2.4 Modellen kann die Ölklappe gelten. Welche die Ingenieure in guter Absicht in der hinteren rechten Seitenwand anbrachten. Sie sollte den Service erleichtern, führte aber zu Missverständnissen.
Trotz eindeutiger Beschriftung konnte man sie mit dem (vorderen) Benzineinfüllstutzen verwechseln, sodass Porsche sie ziemlich bald wieder verschwinden ließ.
Der 2.4-Motor, der dem 911 neue und stärkere Flügel lieh, diente wenig später als Basis für den berühmten Carrera RS 2.7. Mit ihm schrieb Porsche 1972 die eigene Legende fort, aber das ist eine vollkommen andere Geschichte.
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