Zum Modelljahr 1972 meint man es ernst bei Audi. Der 100 LS verkauft sich blendend, aber man sieht die Zeit für ein neues, sportliches Spitzenmodell gekommen. Der Audi 100 GL markiert zukünftig parallel zum Coupé die Krone der Sportlichkeit der Marke mit den vier Ringen.
Audi geht dabei in die Vollen. Der 100 LS ist ein bequemes, gutbürgerliches Auto, das eigentlich nur zwei Nachteile hat. Zum einen setzt Audi auf Frontantrieb, was in der gehobenen Fahrzeugklasse noch lange nicht als akzeptiert gilt. Erschwerend ist außerdem, dass man die Antriebseinflüsse deutlich am Lenkrad spürt. Das ist eine Unmöglichkeit für Kunden, die von BMW und Mercedes kommen sollen, tatsächlich aber oft zuvor einen großen Opel oder Ford fuhren.
Aber selbst die setzen nach wie vor auf den traditionsreichen Heckantrieb.

Der Audi 100 GL ist das sportliche Spitzenmodell aus Neckarsulm
Audi meistert das Problem so gut wie möglich. Erstmals kann der Kunde gegen Aufpreis eine Servolenkung bekommen, und damit wird das Lenken des großen Audis komfortabler und ist dem Marktsegment angemessen. Das zweite Problem ist, dass der 100 C1 eine sportliche DNA besitzt, die allerdings kaum registriert wird.
Ähnlich wie bei Alfa Romeo trägt der Audi die vorderen Scheibenbremsen nicht außen an den Rädern. Um die Sportlichkeit zu erhöhen, sind sie innen liegend im Bereich von Getriebe und des Differenzials platziert. Bei Alfa Romeo findet das jeder gut und schwärmt von der Reduzierung ungefederter Massen.
Bei Audi kennt kaum jemand die Besonderheit.
Mit dem Audi 100 GL soll sich alles ändern. Das Image geht in Richtung Leistung und Sport, die Limousine erhält den 115-PS-Motor mit 1,9 Litern Hubraum aus dem Coupé. Allerdings reduzieren die Entwickler die Leistung von 115 auf 112 PS, vielleicht um den Abstand zu wahren.

Äußerlich macht das Spitzenmodell einiges her. Die Front mit den Doppelscheinwerfern steht für ein sportliches Auftreten, das mit einem Sprint von 0 auf 100 in nur 10,9 Sekunden untermauert wird. Damit nimmt der GL dem LS (Link) in dieser Disziplin mehr als 1 Sekunde ab.
Mittelkonsole und Knüppelschaltung für Sportlichkeit
Im Innenraum findet der Kunde das Verständnis von gediegener Sportlichkeit im Stil der 70er Jahre. Eine stattliche Sammlung von Instrumenten erfreut das Auge des Sportfahrers, sie sind in der Nacht grün hinterlegt, viele Jahre später erst wird die Marke unter Ferdinand Piëch auf eine rote Hintergrundbeleuchtung wechseln.
Als Ausdruck großer Gediegenheit gilt die Holzfolie, die Audi verschwenderisch verteilt, aber noch wichtiger sind Drehzahlmesser, Mittelkonsole und Knüppelschaltung.
Die Mittelkonsole gilt als Ausweis einer höheren Fahrzeugklasse, die Knüppelschaltung ist Beleg der Sportlichkeit. Damit hier nichts schiefläuft, wird das Schaltschema in der Mittelkonsole eingeprägt – für den Fall aller Fälle.
Mit dem Audi 100 GL, der in Neckarsulm zusammen mit den schwächeren Typen produziert wird, geht die Marke einen weiteren Schritt in Richtung Aufstieg.
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