Während Renault heute als selbst ernannte SUV-Marke Marktanteile verliert und um die Gunst der Käufer kämpfen muss, lieferte der Hersteller Mitte der 80er Jahre das, was die Kunden wirklich wollten. Der Renault 9 mag aus heutiger Perspektive ziemlich unscheinbar wirken. Er ist aber ein erfolgreiches Weltauto, das in großen Stückzahlen produziert wird.
Von Anfang an wird die kompakte Limousine für den Weltmarkt konzipiert und ist nicht nur unter dem Renault Rhombus zu kaufen. In den USA wird sie von AMC, damals im Eigentum der Franzosen, als Alliance 9 vermarktet. Das Erfolgsgeheimnis von Renault liegt in der gekonnten Mischung.
Der Renault 9 ist ein Auto, welches für das Leben und den Alltag gebaut wird.

Der Renault 9 ist ein erfolgreiches Weltauto aus Frankreich
Tatsächlich liegt der Fokus von Anfang an auf großen Stückzahlen und kostengünstiger Produktion. Das Werk Douai, das in den frühen 80er Jahren über einen bemerkenswert hohen Automationsgrad verfügt, schickt täglich 1.400 Neuwagen auf die Reise.
Der Renault 9 ist leicht, er wiegt im Mittel 850 Kilogramm, und der Hersteller setzt neben dem Leichtbau auch Aerodynamik ein. Mit einem CW-Wert von 0,385, der durch viel Detailarbeit erreicht wird, liegt der R9 in seiner Klasse hervorragend, was sich auch im Verbrauch bemerkbar macht. Aerodynamik und Leichtbau verhelfen dem Renault 9 GTL zu einem Verbrauch von nur 8,6 Litern pro 100 Kilometer.
Ein geringes Gewicht, gute Aerodynamik und eine überraschende Raumausnutzung, gepaart mit guten Preisen. Der R9 ist 15 Zentimeter kürzer als ein VW Jetta, bietet im Innenraum aber mehr Platz. Er ist ziemlich handlich, trotz Frontantrieb misst der Wendekreis unter 10 Metern und auch die Innenstädte können sein Revier sein.
Wie macht Renault das? Es ist die Mischung, die stimmt. Schlaue, aber einfache Lösungen, wie sehr eng zusammenstehende Sitzschienen, erlauben es Reisenden auf den Rücksitzen, die Füße auch auf langen Strecken bequem unter den Vordersitzen unterzubringen. Dass die vorderen Sitze zusätzlich wie Sessel geneigt werden können, gehört zum Überraschungsmoment dazu.
Eine leistungsfähige Heizung und Belüftung mischt Warm- und Kaltluft und bringt eine Ahnung von Luxus und Staunen in diese Fahrzeugklasse.
Im Gegenzug spart Renault eisern dort, wo es die Kunden nicht sofort sehen.

Die Motorkonstruktion selbst ist uralt. Doch die Franzosen bauen pro Tag 6000 Stück, was sie unschlagbar preiswert macht. Und da sie immer wieder renoviert wurde, stört sich niemand daran. Der Kofferraum zeigt nacktes Blech an den Seiten, eine Verkleidung wäre unnützer Luxus und kostet Geld. Es wird keinen Kunden interessiert haben.
Der Renault 9 Boulevard ist kleiner Luxus
Der Hersteller spielt außerdem gekonnt mit der Idee der Sondermodelle. Die kompakte Limousine ist in Wirklichkeit nicht besonders elegant, aber die Franzosen lassen sie in einem begehrenswerten Licht erscheinen. Ein gelungenes Beispiel ist der Renault 9 Boulevard, den deutsche Kunden 1984 kaufen können.
Leichtmetallfelgen, Weißwandreifen und eine Metalliclackierung bringen einen Hauch der großen weiten Welt in die kompakte Klasse. Zusammen mit einem Schiebedach und geschmackvoll dezenten Dekorstreifen erscheint der R9 fast mondän. Seitliche Katzenaugen vermitteln das Gefühl des US-Exoten, sie sind eine Anleihe aus der American Motors (AMC) Liaison, die Renault 1987 unter finanziellem Druck wieder aufgibt.
Dann ist auch die Weltauto-Idee bei Renault Geschichte, aber am R9 hat es sicher nicht gelegen.
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