Es gibt diese klassisch unauffälligen Fahrzeuge, die vor Jahrzehnten reichlich auf den Straßen unterwegs waren und die heute vergessen sind. Ein perfekter Vertreter dieser Spezies ist der Mazda 323 aus der dritten Modellgeneration. Er ist ein Mitglied der Fraktion ohne Eigenschaften, brav, zuverlässig und langweilig.
Ein Freund, der nicht von Autos verseht, fährt in den 80er Jahren einen. Er kümmert sich nicht um den Mazda, vernachlässigt ihn sträflich, und der kompakte Japaner nimmt alles hin. Einen Sommer lang sind wir mit dem 323 in Europa unterwegs, und wo meine französischen Kisten stets für Drama sorgten, hält der Mazda klaglos durch.

Mit dem 323 GT spielt Mazda in der GTI Liga mit
Die Marke ist zu dieser Zeit so erfolgreich, dass sie in Deutschland über Jahre hinweg das beliebteste japanische Fabrikat stellt. Mazda 626 und 323 sind feste Größen und dass es letzteren auch als heißen GT gibt, habe ich damals nicht registriert. Der 323 ist ein praktisches Auto ohne Charakter und mit unbequemen Sitzen, in dessen Tank nur genug Benzin sein muss, damit man zuverlässig von A nach B transportiert wird.
Der GT hingegen konkurriert mit coolen Autos wie dem Alfa Romeo 33 Quadrifoglio (Link).
Er leistet sogar 5 PS mehr als der sportliche Italiener und ist als Limousine auch 260 DM teurer als der Spitzenalfa. Mazda nennt die kompakte 323 GT Limousine verschämt nur Stufenheck und packt an Ausstattung so ziemlich alles in Serie hinein, was man sich wünschen kann.
Breitreifen in der Dimension 185/60 14 gelten 1986 als bullig, Sportlenkräder sind in Mode, Sportsitze müssen sein. In der Realität rennt der Mazda fast so flott über die Autobahn wie der Alfa Romeo, der mit 185 km/h allerdings das Scudetto vorn hat. Er ist vermutlich das bessere Auto, über die Verarbeitung und Zuverlässigkeit des Italieners breiten wir den Mantel des Schweigens.

Was der größeren Verbreitung des 323 GT im Weg steht, das ist sein Design. Es ist an Sachlichkeit kaum zu übertreffen und wenn das Fließheck schon unauffällig ist, dann ist das Stufenheck nahezu unsichtbar. Optische Akzente für Sportlichkeit verstrahlt der 323 GT in der Serie nicht, denn die in der Werbung gezeigten Felgen sind aufpreispflichtig.
Wie viele Käufer sich damals dafür begeistern konnten, ist nicht mehr herauszufinden. Vermutlich blieb der 323 GT sowohl als Stufenheck als auch als Fastback eine Ausnahmeerscheinung. Dabei hat Mazda damals noch viel mehr coole Pfeile im Köcher. Jenseits des deutschen Marktes ist noch einiges möglich. Der Mazda 323 Turbo 4WD 16v zeigt der Welt mit 150 PS, was geht. Da hat der Alfa endgültig keine Chance mehr.
Entdecke mehr von carstories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

