Der Honda Accord Aerodeck, ein Traumwagen aus Nippon!

In den 80er Jahren ist das Image von Honda in der Bundesrepublik ungeheuer stark. In der Formel 1 erlebte der Hersteller das, was er später als sein goldenes Zeitalter beschreiben wird. Die Modellpalette ist jung, sie adressiert ein dynamisches, erfolgreiches Publikum. Mit dem Honda Accord Aerodeck traut sich der Hersteller an ein Produkt, das erstmals speziell für Europa entwickelt wird.

Der Aerodeck ist eine Interpretation des Shooting Brake Konzepts. Er ist nicht Kombi, nicht Coupé, steht aber für Design und Lebensstil. Das passt, denn die Honda Accord Limousine, welche die Basis bildet, ist als dynamischer Beitrag der Mittelklasse bereits fest etabliert. Honda spielt in dieser Zeit die Rolle der sportlichen BMW Alternative aus Nippon, möchte aber ganz woanders hin. „Mercedes ist das Ziel“, erklärt der Hersteller bei der Vorstellung des Aerodeck, der passenderweise einen Airbus als Hintergrundkulisse wählt.

Der Honda Accord Aerodeck (1986)
Der Honda Accord Aerodeck (1986)

Der Honda Accord Aerodeck, ein Traumwagen aus Nippon!

Die Frage, ob Mercedes oder BMW der Marke nähersteht, beantworten im Herbst 1985 vermutlich mehr Kunden mit der Münchner Marke als mit dem Rivalen aus Stuttgart. Der Honda Accord Aerodeck ist sportlich, was bereits die versenkbaren Scheinwerfer an der Front und die geduckte Silhouette des Shooting Brakes verraten.

Die Motoren, Honda feiert sich damals erfolgreich in der Formel 1, sind technisch brillant und über jeden Zweifel erhaben. Beim Aerodeck setzten die Japaner auf 3 Ventile pro Zylinder, was heute exotisch anmutet. Die Triebwerke sind drehfreudig, sie bieten dennoch genug Kraft aus dem Drehzahlkeller, und gelten damals als Meisterstücke fernöstlicher Motorbaukunst.

Es sind die Motoren und die Straßenlage sowie die direkt ansprechende Lenkung, die einst das Image von Honda prägten. Der Accord ist ein Auto für Menschen, die Freude am Autofahren haben, und der Aerodeck, der offiziell Aero Deck geschrieben wird, macht hier keine Ausnahme.

Honda liefert den Shooting Brake mit einer umfangreichen Ausstattung und zu einem relativ hohen Preis. Klar ist: Man möchte die Marke in Europa weiter oben positionieren.

Schönheit als Funktion, der Honda Accord Aerodeck im Jahr 1986
Schönheit als Funktion, der Honda Accord Aerodeck im Jahr 1986

Die Käufer entscheiden sich gegen den Traumwagen aus Nippon

So ganz funktioniert der Plan jedoch nicht. Viele sind zwar vom Design angetan, der Aerodeck landet als Traumwagen auf einigen Wunschlisten, aber in der Realität entscheiden sich fast 80 % der Käufer für die preiswertere Limousine. Auch die Presse, am Anfang voller Lob für den Honda, korrigiert die Einschätzung.

Es gibt Probleme, die alles andere als typisch für Honda sind.

Im Dauertest der Auto Motor Sport enttäuscht der Aerodeck mit einer schlampigen Verarbeitung und einer Vielzahl von Mängeln, die Honda eifrig nachbessert, aber nicht alle in den Griff bekommt.

Der Ruf ist angeschlagen, das Käufervotum fällt eindeutig aus.

Am Ende bleiben dann tatsächlich die Schönheit, die viele Fans in ihren Bann zieht, und das sportliche Potenzial, das der Aerodeck hat. Das ist zu wenig, um dauerhaft Erfolg zu haben und um eine Modellvariante für den europäischen Markt zu rechtfertigen. Der Aerodeck bleibt ein Versuch, den man für 4 Jahre in Deutschland kaufen kann. Die Höherpositionierung misslingt, vielleicht war der Aerodeck zu sehr Nische, zu wenig Nutzwert und zu viel Shooting Brake.


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