Mein erster Mercedes-Moment? Ich hatte einen autobegeisterten Großvater, der in seiner Jugend im Motorsport aktiv war und der sich jährlich einen Neuwagen gönnte. Anfang der 1970er Jahre fuhr er noch einen großen Peugeot, aber der Trend war klar. Ein Mercedes, der Stern auf der Haube, wäre wohl das Nächste, was ich in seiner Garage finden würde.
Ich war damals natürlich nicht im Bilde darüber, was ein Mercedes /8 kosten könnte, aber ebenfalls autobegeisterte Freunde gaben mir zu verstehen, er müsste ziemlich teuer sein. Bei einem gemeinsamen Spaziergang fuhr uns dann ein /8 über den Weg, genauer gesagt direkt vor die Füße, und damit begann unsere erste Mercedes-Diskussion. Schnell wurde mir klar, dass ein Mercedes etwas ziemlich Besonderes sein müsste.
Eines der weltweit besten Autos, begehrenswert und natürlich längst auf der Einkaufsliste des Großvaters parkend.

Ist der Mercedes /8 eine Ikone für die automobile Ewigkeit?
Kaufst Du ihn Dir, fragte ich meinen Großvater. Der verneinte und meinte trocken, soviel Geld sei nicht auf seinem Konto. Was ich als Kind hinnahm, aber was nicht der Wirklichkeit entsprach. Denn wenig später war der Peugeot Geschichte und es begann das Mercedes-Zeitalter.
Ein weißer Mercedes /8 und, wenn ich es richtig in der Erinnerung habe, ein 230 E, allerdings anders als hier abgebildet, ein Modellpflege-Fahrzeug. Das hatte die beachtenswerten, gerippten Rückleuchten. Ein Merkmal, das damals für großen Gesprächsbedarf sorgte, denn die Rückleuchten widerstanden durch ihre Form jeglicher Art von starker Verschmutzung. Der Mercedes zeigte immer sein Rücklicht, auch bei schlimmsten Wetterverhältnissen, und die Schwaben lieferten damit einmal mehr einen Beitrag zur Sicherheit.
Für uns Kinder war diese Innovation mindestens genauso aufregend, wie es heute Augmented Reality im Auto ist.
Der Mercedes /8, der eigentlich auf die Namen W 114 und W 115 zu hören hatte, zog seine Faszination natürlich aus zwei Dingen. Zum einen war seine Karosserie für die damalige Zeit modern und elegant, technisch unterkühlt, und traf voll den Geschmack der Käufer, die auf Aufstieg, Zukunft, Technik setzten. Zum anderen waren es die W 108/109 Modelle, die Oberklasse von Mercedes, die ihr Licht auf das kleinste Modell warfen.
Beide Designs entstanden unter der Federführung des großen Paul Bracq, und die Schwaben spielten damals schon recht geschickt mit der Imagekarte, die sie von oben nach unten durchzureichen verstanden.

Der Mercedes /8 taucht immer wieder auf, und überall
Der /8 blieb ein Jahr bei meinem Großvater, dann wurde er durch einen Neuwagen ersetzt, zwischendurch gab es immer wieder auch Fahrzeuge von BMW, und wie viele er tatsächlich fuhr, ist längst vergessen. Die aktive Erinnerung setzt erst wieder beim W 123 an, aber das ist eine andere Geschichte.
Tatsächlich aber war die Mercedes /8 Baureihe diejenige, welche mich am längsten durchs Leben begleitete. Sehr viel später tauchten dann die /8 200 D Modelle bei Freunden auf. In unterschiedlichen Erhaltungszuständen, immer mit dem überschäumenden Temperament einer Wanderdüne ausgestattet, aber stets mit der Aura der Unzerstörbarkeit.
Gefühlt gab es Jahre, da war die Welt voller uralter /8, aber eines Tages nahmen sie dann wirklich ihren Abschied. Nicht komplett allerdings. Sie sind zwar von der Straße verschwunden, die Freunde von einst bewegen heute entweder bewusst analoge Autos oder sie stecken in der digitalen Autowelt fest. Aber ich bin mir sicher, der ein oder andere träumt noch von den guten /8 Zeiten. Die Ikone von Mercedes lässt wenige für immer los.
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