Der Ford Taunus und das trügerische Gefühl von Sicherheit

Wenn es prägend sein könnte, auf welchen Autorücksitzen man einen Teil seiner Kindheit verbringt, dann müsste ich ein Ford-Fan sein. In der Familie gibt es einen 17 M der meinem Großvater gehört. Mein Vater fährt erst einen 12 M, dann folgen zwei Ford Taunus. Der Taunus TC 76 wird sein letzter Kölner sein, aber das entwickelt sich erst mit der Zeit.

Die Geschichte beginnt für mich mit einem Werbebanner. Denn der tägliche Schulbus fährt immer am Ausstellungspavillon der lokalen Ford-Vertretung vorbei. Der Hersteller versteht sein Handwerk und wirbt vorab für den neuen, kommenden Taunus, der das Knudsen-Modell ablösen wird.

Das große Thema sind die Knautschzonen, wie auf Transparenten zu lesen ist. Das baut Spannung auf.

Der Kunde bekommt den Eindruck vermittelt, dass hier ein komplett neues, innovatives Produkt auf ihn zurollt.

Der Ford Taunus und das Gefühl der Sicherheit
Der Ford Taunus und das Gefühl der Sicherheit

Der Ford Taunus und das trügerische Gefühl von Sicherheit

Ganz so ist es allerdings nicht. Ford glättet die ikonische Knudsen-Karosserie, die aus der Feder von Uwe Bahnsen kommt, der bereits die Badewanne (Link) populär machte. Der Neue erscheint dadurch viel moderner, sachlicher, er verliert aber auch einen Teil seiner Identität.

Technisch gesehen steckt unter der neuen Form fast der alte Taunus, was die wenigsten Kunden reflektieren und was ihnen vermutlich auch egal sein wird.

Denn Ford ist zu dieser Zeit eine Währung im Straßenbild. Der Taunus und Granada sind akzeptierte Autos der Mittelschicht. Dass der Neuwagen meines Vaters den gleichen Ford-Sound wie der alte hat und die Lackierung von hellblau jetzt zu einem knalligen Orange wechselt, ist mir im Gedächtnis geblieben.

Doch der Neuwagen ist nicht frei von Mängeln. Als Kind bekommt man die Details nicht mit, man registriert nur die schlechte Laune der Großen, wenn der Taunus mal wieder in die Werkstatt einrückt. Selbst das ist nicht schlimm. Autohaus und Vater sind geschäftlich verbunden.

Außerdem kauft man damals dort, wo man sich kennt, und bleibt auch in Kleinstädten seinem Viertel treu.

1975 wirbt Ford für den neuen Taunus
1977 wirbt Ford für den Taunus

Der Ford Taunus reift in der Werkstatt gemütlich vor sich hin

Es war eine andere Zeit und während der Taunus unter den kundigen Augen des Werkstattmeisters vor sich hin reifte, wäre fast alles gut gegangen. Hätte nicht ein einschneidendes Ereignis das Ende der automobilen Beziehung eingeleitet.

Ford wirbt 1977 für das Modell mit einem sicheren Gefühl. Doch das ist trügerisch. An einer Kreuzung in der Innenstadt, während des Berufsverkehrs, löst sich die orangefarbene Tür vom Rest des Autos. Sie knallt auf den Asphalt und wird mithilfe anderer Verkehrsteilnehmer daraufhin in den Kofferraum verfrachtet.

Was der Grund für das plötzliche Desertieren der Tür gewesen sein mag, wird nie ganz geklärt. Der Taunus verschwindet auf direktem Weg in der Werkstatt, ohne dass wir Kinder den Schaden gesehen hätten. Tage später ist er zurück, doch seine Zeit ist unwiderruflich abgelaufen. Mein Vater tut etwas, was für ihn extrem ungewöhnlich ist.

Er, der gewöhnlich Neuwagenkäufe akribisch plant und rechnet, kaufte spontan ein neues Auto. Einen Vorführwagen, er will den Taunus nur noch loswerden.

Dass es kein Ford mehr wird, auch nicht bei allen folgenden Autos, ist logisch. Dass er damit einen Fehler begeht, ahnt er nicht. Doch das ist schon wieder eine vollkommen andere Geschichte.


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