Der Austin Maestro schrieb britische Automobilgeschichte

Im Jahr 1983 bringt British Leyland den Austin Maestro auf den Markt. Er ist ein sehr bemerkenswertes Auto, mit dem seine Macher große Hoffnungen verknüpfen. Fest steht, der Maestro wird Automobilgeschichte schreiben. Jedoch anders, als es die Strategen in England planen.

Mit dem Maestro hat British Leyland endlich wieder einen modernen Beitrag in der Golf-Klasse zu bieten. Die geschwächte britische Autoindustrie rechnet sich jedoch keine Chancen aus, den Golf von seinem Thron zu stoßen. Man ist einfach nur darüber glücklich, dass man überhaupt noch mitspielen darf.

Die generelle Verfassung von British Leyland erkennt man an einem Bauteil. Es betrifft das Getriebe des Austin Maestro.

Austin Maestro, 1984
Austin Maestro, 1984

Der Austin Maestro schrieb britische Automobilgeschichte

Das liefert Volkswagen zu. Ein Umstand, der ein Jahrzehnt zuvor Schockwellen durch das vereinigte Königreich geschickt hätte. Das 5-Gang-Getriebe der Wolfsburger sorgt jetzt dafür, dass ein modernes britisches Auto mit einem gut schaltbaren Getriebe vorfährt. Auch sonst erntet der Maestro in ersten Testberichten nur gute Worte, allerdings sind diese auf einem erschreckend niedrigen Niveau angesiedelt.

Der Austin Maestro sei das erste englische Auto seit Langem, bei dem keine Teile abgefallen oder abgebrochen seien, schreibt der ADAC in seinem Bericht 1984. Ein vergiftetes Lob. Sonst sei der Beitrag zur Golf-Klasse nur Durchschnitt – aber nicht komplett.

Denn British Leyland leistet sich im MG Maestro, dem Spitzenmodell, etwas futuristische Extravaganz. Die roten Gurte und Ziernähte sind ungewöhnlich, aufsehenerregend ist jedoch das digitale Armaturenbrett. Das bootet bei jedem Startvorgang neu, für eine kurze Gedenksekunde zeigt die Digitaluhr viermal die 8 und der Tachometer 288 km/h.

Das erzeugt Verwirrung, denn immer noch steht der Maestro unbeweglich auf dem Parkplatz. Erst nach einer oder mehreren Sekunden zeigen die Instrumente den realistischen Wert.

Werbung für den Maestro, 1984
Werbung für den Maestro, 1984

Ein ZDF-Sprecher im Austin Maestro

Das ist 1984 spannend und wird durch den Sprachcomputer noch erweitert. Der MG Maestro kann tatsächlich 32 Worte, er sagt Dinge wie „bitte anschnallen“ oder „bitte Licht ausschalten.“ Die Stimme leiht ihm Jochen Breiter, ein bekannter ZDF-Nachrichtensprecher, den man als prähistorische Alexa im Auto integriert.

Allerdings hat der MG Maestro bei sämtlicher moderner Computertechnik die Schwäche, dass seine Motortechnik veraltet ist. Denn während die British Leyland Strategen in ihrer nicht durchschaubaren Weisheit dem schwächeren HLS Modell moderne Eigenschaften wie Schubabschaltung, Leerlaufstabilisierung und kontaktlose Zündung mitgeben, findet man als dies im sportlichen 98 PS MG Maestro nicht.

Generell liegen die Preise für den Austin Maestro ziemlich niedrig, British Leyland unterbietet sogar Fiat um einige 100 DM und der Golf ist generell ein paar Tausend DM teurer.

Geholfen hat das nichts. Der Austin Maestro bleibt immer weit unter seinen Erwartungen. Er schreibt nur deshalb britische Automobilgeschichte, weil er der letzte selbstkonstruierte Beitrag der Briten in der Golf-Klasse ist. Der Rover 200, der 1989 seine Nachfolge antritt, basiert auf dem Honda Concerto.

Der Maestro fristet von da an parallel sein Dasein als billiges Einstiegsmodell, bis BMW den Hersteller übernimmt und ihn 1994 endlich in Frieden sterben lässt.


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