Italienischer Mini, der Autobianchi A 112

Das seit 1967 gänzlich unter Fiat-Regime stehende Autobianchi-Werk in Mailand hat mit seinen Erzeugnissen in Deutschland nie recht Fuß fassen können. Selbst der Primula, einem gemessen am heutigen Stand der Technik modernen Automobil, blieb größerer Erfolg versagt. Und dies wohl vor allem deshalb, weil die finanzielle Mutter Fiat stets ein ebenbürtiges, aber eben preiswerteres Modell bereithält.

Auch der Name „Autobianchi“ vermochte in der Bundesrepublik nie recht zu begeistern. Man wählte lieber, wenn es ein italienisches Gebrauchsauto sein sollte, den bei uns ungleich heimischeren Fiat, der gleich welcher Größenordnung kaum mehr als „Ausländer“ betrachtet wird.

Autobianchi A 122 (1969), der italienische Mini
Autobianchi A 112 (1969), der italienische Mini

Italienischer Mini, der Autobianchi A 112

Mit dem A 112 freilich, den Autobianchi kürzlich der Öffentlichkeit vorstellte, kann die Mauerblümchen-Rolle beendet sein. Das völlig neu entwickelte Auto wirkt schon
vom Aussehen her so ansprechend und zeitgemäß, dass größeren Stückzahlen nichts im Wege stehen wird. Obwohl sich die A 112-Styler deutlich am englischen Mini (und sogar am japanischen Honda) orientierten, zeigt dieser Kleinwagen sehr viel Eigenwilligkeit in der Linienführung, und das auf kürzestem Raum.

Mit einer Gesamtlänge von 3,23 m ist der Autobianchi nur 18 cm größer als der Mini, aber um 7 cm breiter als das britische Vorbild (A 112: 1,48 m, Mini: 1,41 m). Wie schon bei der Primula, wurde auch im A 112 der Motor quer eingebaut. Er treibt die Vorderräder an und ist von bewährter Machart. Handelt es sich doch um exakt jenes 903 ccm große Triebwerk, das sowohl das kleine Fiat 850 Sport Coupé als auch den gleichnamigen Spider antreibt.

Der Grundriss des A 112 macht mit Fiat Bauelementen bekannt: Vorder und Hinterradaufhängung entsprechen weitgehend dem Fiat 128
Der Grundriss des A 112 macht mit Fiat Bauelementen bekannt: Vorder und Hinterradaufhängung entsprechen weitgehend dem Fiat 128

Zugunsten besserer Alltagstauglichkeit wurde der muntere Vierzylinder, der sich in der Praxis bestens bewährt hat, leicht entschärft. Während es die im Fiat-Coupé eingebaute Motor-Version auf stattliche 52 PS bringt, begnügte man sich beim A 112 mit 44 PS. Die ausreichen, das kleine und leichte Auto 135 km/h schnell zu machen.

Bemerkenswert ist der für ein Frontantriebsauto kleine Wendekreis. Er beträgt nach Aussage von Autobianchi nur 8,8 Meter, womit sich das Auto als besonders rangierfreundlich erweisen dürfte.

Das Cockpit des A 112 macht einen vertrauten Eindruck: Instrumente, Schalter und Lenkrad entsprechen dem Fiat 850 Sport Coupé
Das Cockpit des A 112 macht einen vertrauten Eindruck: Instrumente, Schalter und Lenkrad entsprechen dem Fiat 850 Sport Coupé

Der Autobianchi A 112 könnte den Mini vom Kontinent verbannen

Im Innenraum erwarten den Betrachter Funktionalität und Sportlichkeit. Serienmäßig sind beispielsweise ein Sportlenkrad mit mattschwarzen Lochspeichen und ein Drehzahlmesser, der erfreulicherweise ebenso groß ausfiel wie der daneben liegende Tachometer. Familienväter werden freilich mehr die Heckklappe schätzen, die Zugang zu einem Gepäckabteil gewährt, das sich durch Umklappen der Rücksitzbank beträchtlich erweitern lässt.

Auch was passive und aktive Sicherheiten betrifft, steht der A 112 modernen Konkurrenzfabrikaten in nichts nach. Die Karosserie verfügt, zumindest vorn, über die allenthalben geschätzte Knautschzone. Schließlich tragen Armaturenbrett-Polsterungen und eine mehrfach geteilte Lenksäule dazu bei, dass Kollisionen entschärft werden.

Autobianchi A 112, der italienische Mini

Die Bremsanlage sieht, gemessen an der Preisklasse, ungewöhnlichen Aufwand vor. Serienmäßig sind Zweikreissystem und Bremskraftregler für die Hinterräder. Zweifellos ist das Angebot, das Autobianchi mit dem A 112 macht, ein besonders verlockendes. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dieses Auto dem Vernehmen nach nur wenig über 5000 DM kosten soll. Damit hat der Autobianchi A 112 nicht nur das Zeug, den Mini vom Kontinent zu verbannen.

Er kann sogar zum vorrangigen Konkurrenten im eigenen Hause werden.


Quelle: Auto Motor Sport, Heft 21 1969, Autor: K. W.


Entdecke mehr von carstories

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Das könnte auch gefallen:

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

0 Comments
Oldest
Newest Most Voted
0
Was denkst Du? Hinterlasse einen Kommentar!x